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Schwarm-Fitness

Yoga, Cross-Training oder Freeletics – immer mehr Menschen üben das nicht mehr allein. Der Trend geht jetzt zum Gruppensport. Aus sehr guten Gründen.

Sport ist wichtig. Er hält uns gesund und beweglich, macht schlank und fit, auch für die Herausforderungen des Alltags, stärkt das Immunsystem und kurbelt die Glückshormonproduktion an. Das wissen wir alle. Neu ist die Erkenntnis, dass sich der ohnehin beträchtliche Sport-Benefit in Gemeinschaft sogar noch steigern lässt. Sie wälzt gerade die ganze Fitness-Landschaft um. Schließich war es in unserer hoch individualisierten Gesellschaft sehr lange en vogue, allein zu trainieren: keine Vebindlichkeiten, keine Rücksichtnahme, keine Ablenkungen. Nur ich, mein Timetable und das Laufband oder das Rennrad und allenfals noch der Personal Trainer.

STÄRKER IM TEAM

Nun trifft man sich plötzlich zum gemeinsamen Abenlauf, bucht einen Gruppen-Biking-Urlaub auf Mallorca, geht mit Kolleginnen zum Buti-Yoga, einer brandneuen und ziemlich heißen Mischung aus Zumba und Yoga, oder teilt sich gleich gemeinsam mit ihnen privat eine Pilates-Lehrerin. Aus exzellenten Gründen. Solchen, wie sie britische Forscher der Oxford University in einem Test mit Ruderern festgestellt haben: Demnach sind wir in der Gruppe eher bereit, Grenzen zu überwinden, können Belastungen besser ertragen, muten und trauen uns mehr zu. Und noch ein positiver Effekt des geselligen Sportelns: Da wir soziale Wesen sind, werden das Bindungshormon Oxyticin und der Botenstoff Dopamin freigesetzt, sobald wir etwas mit anderen erleben. Beides macht glücklich und entschlackt die Psyche. Ja, sogar wenn man noch zehn Kilometer Waldlauf in strömendem Regen vor sich hat. Denn auch der Motivation, dieser wankelmütigen Diva, tut es enorm gut, wenn man mehr nur vor sich allein rechtfertigen muss, weshalb man in dieser Woche wieder nicht mal ein winziges Stündchen für ein wenig Bewegung erübrigen konnte. Man sieht ja bei den anderen, was alles geht – trotz Zehn-Stunden-Tagen und miesem Wetter.
Kurz: Im Schwarm sind wir besser – sogar beim Sport.

SOLO FÜR DEN TEAMGEIST

Das bestätigt auch die Hamburger Sportpsychologin Anett Szigeti: „Viele denken, dass man alles allein durchziehen muss, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, aber das ist eben nicht der Fall. Besonders in der heutigen schnelllebigen, stressigen Zeit ist Bewegung so wichtig, um Burn-outs und Depressionen vorzubeugen. Und mit einer Gruppe stehen die Chancen besser, häufiger Sport zu machen als allein“. Nicht umsonst würden auch die meisten Therapieformen zusätzlich in der Gruppe angeboten und praktiziert. „Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl und setzt häufig Synergien frei“. Und einen ganz besonderen Flow. Wer jemals etwa am Weltyogatag gemeinsam  mit Hunderten anderen die Sonne begrüßt hat, der weiß, wie eng man sich mit anderen verbunden fühlen kann, mit denen man nichts weiter teilt als eben diese Yogaleidenschaft, und welch sagenhafte Energie dabei entsteht.

KEINE MACHT DEN AUSREDEN

Manche werden jetzt einwenden, das das Einzige, das Ihren Erfahrung nach beim Training mit Freundinnen gestärkt wird, das Ausredenrepertoire ist. Das also mindestens immer eine dabei ist, die gerade nicht kann, weil sie Migräne hat, weil es zu früh oder zu spät ist und man doch viel netter seine Zeit in einer Bar oder im Kino verbringen könnte. Oer man kommt vor lauter News-Austausch – „Hast du schon gehört, dass Sophie sich trennen will?“ – gar nicht zum Eigentlichen. Zum Glück gibt es seit  Neuestem wenigstens im Sport so etwas wie die Quadratur des Kreises, wie Essen ohne Abwasch, Verbindung ohne Verbindlichkeiten, Gruppenerlebnisse ohne Gruppenzwang, die Vorteile intensiver Trainings-Beziehungen ohne die NAchteile emotionaler Verstrickungen.

GEMEINSAM STARK IM NETZ

„Cloud-Fitness“ nennen die Trendforscher des Zukunftsinistituts das Phänomen: „Mithilfe von mobilen, digitalen Endgeräten, Tracking-Software, Apps und Social Media ist es mittlerweile möglich, erts und zeitflexibel Fitness und Gemeinschaftserleben zu verbinden“. Un so den Widerspruch zwischen dem Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Unterstützung aufzuheben. Eine Gelegenheit, die immer  mehr Menschen nutzen. Während die Besuche von Fitnessstudios leicht zurückgehen, gewinnt die Cloud-Fitness immer mehr Anhänger. Dank Online-Plattformen wie etwa RunKeeper kann man sich spontan zum Training tretten und die psychologischen Effekte des gemeinsamen Trainings nutzen, ohne sich jemals persönlich zu begegnen.

Gemeinsam ist am Ende alles leichter und nur eines wirklich schwer: Bei all den Angeboten noch gute Ausreden zu finden, keinen Sport zu machen.


 




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